MOUSE MACHINE - Leonce & Lena

Raffinierte Müßiggänger

Was wollen sie von mir

Die Bienen

Valerio

Staatsmacht

König Peter

So oder so

Cream

Müde Füße

Ein sonderbares Ding

Italien

Leuchtstoff

Ja, jetzt

Sicherheitshinweis

Bezauberter Tag

Mehr ist unmöglich

Sie leben

Heiraten

Arbeit

Freude

Warten auf das Brautpaar

Ei, Lena

Wald

Makkaroni

Ich möchte

MOUSE MACHINE – Leonce & Lena

Theatermusik für das Theater an der Parkaue, Berlin | 2007

Regie: Sascha Bunge
Ausstattung: Angelika Wedde
Covergestaltung: Angelika Wedde
Dramaturgie: Maja Das Gupta
Fotografie: © Christian Brachwitz

Mit: Birgit Berthold, Stefan Faupel, Wesselin Georgiew / Denis Pöpping, Elisabeth Heckel, Kathrin Heinrich, Hagen Löwe, Peter Priegann, Manfred Struck

Der melancholische, traumversunkene Prinz Leonce vom Königreiche Popo (in seiner territorialen Winzigkeit und intellektuellen Borniertheit eine Persiflage auf die deutschen Kleinstaaten) langweilt sich: „Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus.“ Auch sein Verhältnis zu seiner Mätresse, der schönen Tänzerin Rosetta, ermüdet ihn mehr, als dass es ihn anregt. Nur im Sterben dieser Liebe sieht er noch einen gewissen Reiz. Gefühl- und rücksichtslos lässt er Rosetta fallen. Diese verliert ihre Funktion und muss das Schloss verlassen. Trotz seiner Jugend scheint dem Prinz der Höhepunkt seines Lebens bereits vorüber: „Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal, einige verwelkte Rosen und zerknitterte Bänder auf dem Boden, geborstene Violinen in der Ecke, die letzten Tänzer haben die Masken abgenommen und sehen mit todmüden Augen einander an.“

Da wird er von seinem Vater, König Peter, vor vollendete Tatsachen gestellt: Leonce soll die ihm völlig unbekannte Prinzessin Lena vom Königreich Pipi heiraten. Nicht gewillt, den Bund der Ehe einzugehen, flüchtet er Richtung Italien, um sich für den Rest seines Lebens dem süßen Nichtstun hinzugeben. Begleitet wird er dabei von seinem treuen, aber arbeitsscheuen Diener Valerio, der als stets leicht betrunkener und immer heißhungriger Genussmensch seinen idealistisch verträumten Herrn immer wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückholt. König Peter, ein scheinbar aufgeklärter, in Wahrheit jedoch völlig geistloser absolutistischer Monarch, beruft derweil eine Staatsratsversammlung ein, um seinen Entschluss, seinen Sohn zu verheiraten, bekannt zu geben.

Auf dem Weg nach Italien begegnen Leonce und Valerio „zufällig“ zwei Damen: Prinzessin Lena, die sich ebenfalls auf der Flucht befindet, weil sie sich vor der Heirat mit einem ungeliebten Mann fürchtet, und ihre Gouvernante, die eine ähnlich burleske Rolle für Lena spielt wie Valerio für Leonce. Nicht ahnend, dass sie den versprochenen Partner vor sich haben, verlieben sich die beiden spontan ineinander. Fasziniert von Lenas schöner Traurigkeit und überwältigt von seinen romantischen Gefühlen, will sich Leonce sofort in den nächsten Fluss stürzen, wird aber von Valerio davon abgehalten, der die Tragik des Freitods ins Lächerliche zieht und Leonce spöttisch bittet, ihn mit seiner „Leutnantsromantik“ zu verschonen. Statt Selbstmord plädiert er für eine handfeste Heirat und ein gemeinsames Altwerden der beiden Melancholiker. Die notwendigen Vorkehrungen für eine reibungslose Einfädelung des Arrangements am Hofe des Bräutigams verspricht er selbst in die Hand zu nehmen.

Im Königreich Popo probt der Zeremonienmeister mit dem Bauernvolk den feierlichen Empfang des erwarteten Hochzeitspaares, eine ebenso sarkastische wie zynische Szene über bäuerliches Elend und aristokratische Arroganz. Im Schloss, von wo man das gesamte Königreich überblicken kann, geraten der König und sein Gefolge inzwischen in immer größere Unruhe, weil der Prinz verschwunden ist und die Hochzeit zu platzen droht. Doch da sieht man an der Grenze des Reiches vier Gestalten auftauchen. Das Liebespaar Leonce und Lena hat sich bis zur Unkenntlichkeit verkleidet und wird von Valerio als die „zwei weltberühmten Automaten“ angepriesen, die alle Funktionen menschlichen Lebens perfekt erfüllen könnten. König Peter beschließt daraufhin, die Hochzeit zu feiern, mit den Automaten als Braut und Bräutigam. Am Ende der Zeremonie nimmt das Paar die Masken ab und es stellt sich erst jetzt für die beiden heraus, dass sie nicht – wie beabsichtigt – ihren Vätern einen genialen Streich gespielt haben, sondern dem Schicksal ihrer Verbindung nicht aus dem Weg gehen konnten. Leonce ist begeistert von dieser „Vorsehung“ und akzeptiert mit verzweifelt komischer Ironie sein Los als König über ein Reich stumpfsinnig gehorsamer Untertanen. Und auch Lena akzeptiert ihre neue Rolle. Valerio, wegen seiner Verdienste bei der Inszenierung der Hochzeit von Leonce zum Staatsminister ernannt, parodiert die Situation zusätzlich, indem er befiehlt, die bestehende Ordnung im Chaos versinken und nur noch auf individuellen Genuss ausrichten zu lassen.