MOUSE MACHINE - Die kleine Hexe

Böses Lied

Ein Tanz mit Fröschen

Eine kleine dramaturgisch nicht schlüssige Prozession

Filunda

Gutes Lied

Kandiszucker

Wurstbrot

MOUSE MACHINE – Die kleine Hexe

Theatermusik für das Theater Konstanz | 2015

Regie: Sascha Bunge
Ausstattung: Angelika Wedde
Dramaturgie: Miriam Denger
Fotografie: © Ilja Mess

Mit: Anna Hertz, Odo Jergitsch, Franziska Kleinert, Monika Kocher, Arlen Konietz, Bernhard Leute, Bernd Oßwald, Tomasz Robak, Alina Straehler sowie Weißbrot & Sissy

Wie richtiges Hexen geht.

Das Weihnachtsmärchen „Die Kleine Hexe“ von Otfried Preußler im Theater Konstanz ist ein Stück ist über das Lernen. Und darüber, wer entscheidet, was gut ist.

Diese Hexen sind eine eingeschworene Gruppe. Ihre Kleidung ist schrill, ihr Singsang hexisch und ihr Tanz bei der Walpurgisnacht eine ganz eigene Freude. Dass die Kleine Hexe im Weihnachtsmärchen am Theater Konstanz daran teilhaben möchte, ist geradezu kühn. Mit jugendlichem Elan mischt sie sich in der Inszenierung von Sascha Bunge unter die merkwürdigen Hexen, obwohl sie so anders ist als diese. Denn sie trägt Spitzenröckchen und Regenjacke. Und keinen wuchtigen Pelzmantel (Bühne und Kostüme: Angelika Wedde). Nur Haare hat sie auf dem Kopf und keinen übergroßen Hut. Vor allem aber ist sie erst 127 Jahre alt, was ja für Hexen gar kein Alter ist, wie es in Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker heißt. Als die alten Hexen sie fortschicken, damit sie erst einmal das Hexen lernt, geht das kurzweilige Stück mit launig-tiefsinnigen Liedern von Stefan Faupel erst richtig los. Denn nun, ganz wie schon die Elterngeneration der Zuschauer ab sechs Jahren die Kinderbuchheldin kennt, muss sie sich erst durch ein dickes Hexenbuch quälen und sich ein Jahr lang mit Üben aufhalten, bis sie wieder um Aufnahme bitten darf. Schauspielerin Alina Strähler, die seit dieser Spielzeit am Theater Konstanz engagiert ist, gibt dieser vorwitzigen jungen Hexe, die seit Jahrzehnten in vielen Kinderköpfen lebt, einen wunderbar frischen Anstrich. Wie schwierig es auch ist, das gute Hexen zu lernen, ihre Hexe lässt sich nicht darin beirren, diesen Weg mit einem Lächeln zu nehmen. Das tritt auch dann immer wieder in ihr Gesicht zurück, wenn das junge Hexenleben gar nicht so leicht ist. Denn bekanntlich macht die Wetterhexe Muhme Rumpelpumpel (Monika Kocher) es ihr so schwer wie möglich. Wenn sie von draußen in den Zuschauerraum hineinfegt, während die Kleine Hexe verbotener Weise an einem Freitag hext, hätte diese allen Grund zum Verzagen. Aber immer, wenn sie nicht mehr weiter weiß, ist ja der Rabe Abraxas zur Stelle, der ihr mit Rat zur Seite steht. Manchmal ist es auch ein Lied, mit dem er sie wieder aufbaut. So wie Tomasz Robak ihn spielt, ist klar, dass er viel mehr ist, als nur ein kluges Haustier. Nicht nur Rabe, sondern auch Freund und Mitstreiter, der immer kritisch ist und dabei wohlwollend bleibt. Gleichzeitig sorgt er für heitere Momente, nicht nur, wenn er verzaubert nur noch grunzen kann. Ungemein witzig aber ist es auch, wenn Odo Jergitsch sich als Oberförster windet und krümmt, weil die Kleine Hexe ihm die guten Worte in den Mund hineinhext, obwohl er doch die schlechten sagen will. Ob eine gute Hexe ist, wer gutes hext, ist die große Frage in Preußlers Buch. Bunges Inszenierung gibt darauf am Schluss eine ganz eigene Antwort.

Julia Russ, Südkurier, 24. November 2015